Freitag, 1. Juni 2012

Gegen alle Vernunft – Wenn Glaube unglaubwürdig wird

Foto: Lisa Dorn
Mit dem Ziel, unglaubwürdige – oder zumindest merkwürdige – Züge des Glaubens in die öffentliche Diskussion zu tragen, luden wir am 16. Mai zur zweiten Veranstaltung seit unserem Bestehen. Unter dem Titel „Gegen alle Vernunft – Wenn Glaube unglaubwürdig wird“ sollten vielfältige offensichtliche wie vermeintliche Widersprüche und Unstimmigkeiten aus der christlichen Glaubenswelt aufgezeigt und diskutiert werden.


Zu diesem Zweck stellte sich Dr. Matthias Gockel, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Systematische Theologie an der Friedrich-Schiller-Universität, den Interviewfragen von Tom Bioly.
Wie kann man so etwas glauben?“ war der Gedanke, der über diesem Abend stand. Anhand teils provokanter, teils bewusst einfältiger Fragen aus den verschiedensten Bereichen des Glaubens – Gotteslehre, Bibelverständnis, Glaube und Vernunft u.a. – wurde versucht, den Blick der Besucher für rationale und moralische Probleme im christlichen Glauben sowie den möglichen Umgang damit zu schärfen. Differenzierte Betrachtungsweisen, sowohl für Gläubige als auch für Nicht-Religiöse, wollten ermöglicht werden.

Vorsichtige Stellungnahmen

Glaube heißt nicht wissen“, hielt Gockel zum Einstieg fest. „Es geht darum, herauszufinden, was die Wissenschaft nicht erklären und ob der Glauben an dieser Stelle als Lückenfüller dienen kann.“ Leider verblieb diese Aussage weitgehend in ihrem Ansatz.
Der Befragte sah sich in der Folge mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert, die teils weniger eine inhaltlich versierte, als viel mehr eine rhetorisch geschliffene Gegenrede hätten provozieren können. Beispielsweise wurde seitens des Fragestellers ein grundsätzlich angespanntes Verhältnis zwischen Vernunft und Glauben unterstellt. „Ich sehe keinen grundlegenden Widerspruch zwischen Glaube und Logik. Wir müssen bei jeder Betrachtung die Veränderlichkeit der Begrifflichkeit in der Geschichte bedenken.“ Eine Antwort, die eine gewisse Unbestimmtheit erkennen ließ.
Auch Fragen nach der moralischen Verwerflichkeit bestimmter biblischer Skandale blieben oft im Sinne von: „Solche Aussagen sind nicht auf die heutige Zeit beziehbar“ vage umschrieben. Z.B. beließ es Gockel mit Blick auf den Opferbefehl Gottes gegen Isaak bei dem vordergründigen Gedanken der Glaubensprüfung Abrahams. Darüber hinaus verfüge die Bibel ohnehin über keine allgemeingültige Aussage, sondern müsse vom jeweiligen Leser stets neu interpretiert werden. Überhaupt wären pauschale Formulierungen im Rahmen des Abends nicht möglich, da diese einer genaueren Untersuchung der Originaltexte und Gesamtzusammenhänge erfordere.
Solch vorsichtige Überlegungen Gockels sprechen keineswegs gegen ihn, entsprachen jedoch häufig nicht den Erwartungen des Publikums und wurden also weniger honoriert.
Direktere Äußerungen kamen allerdings noch einmal gegen Ende der Debatte. Auf die Frage, ob von der Erziehung zum Glauben Gefahren für die Entwicklung von Kindern ausgehen könne, meinte Gockel: „Nein! Ich denke, der Glauben kann dazu beitragen, die Weltsicht von Kindern zu bereichern und ihren Wahrnehmungshorizont zu erweitern“, führte Gockel an. Auch sieht er keine größeren Probleme durch Kreationismus, insbesondere aus den USA: „Ich habe selbst einige Jahre in den dort gelebt. Das Thema sollte hier nicht aufgebauscht werden.“

Andere Erwartungen

In der anschließenden Diskussion bemerkten einige der christlichen Gäste – die insgesamt etwa die Hälfte der rund 40 Besucher ausmachten –, dass sie sich sowohl von den gestellten Fragen als auch von den Aussagen Gockels nicht als Christ repräsentiert fühlten. Wie erwähnt empfand darüber hinaus der ein oder andere die Stellungnahmen des Theologen als nicht eindeutig genug, das Eingehen auf Probleme aufgrund deren Vielzahl als nicht tiefgründig genug.
Leider konnten wir somit augenscheinlich im Vorfeld das Ziel der Veranstaltung nicht klar genug machen: Es ging gerade nicht darum, „Wahrheiten“ aufzutischen, sondern um den Umgang mit verschiedenen Unglaubwürdigkeiten des Glaubens. Die Frage, die allem voran hätte angestoßen werden sollen, war somit nicht „Ist dies oder jenes wahr, gut und richtig?“, sondern für Gläubige: „Kann ich vor mir selbst vertreten, so etwas zu glauben?“, und für religionskritisch Eingestellte: „Ist das ein sinnvolles religionskritisches Argument?“

Die Arbeit geht weiter

Natürlich sind diese Gedanken trotz alledem nicht außen vor geblieben, wenn sie auch nicht im Vordergrund standen. Außerdem konnten wir erneut Menschen ins Gespräch bringen und unsere Bekanntheit noch ein wenig steigern.

Auch, wenn es mit den beiden kommenden öffentlichen Vorträgen zu Kreationismus und Islamkritik in diesem Semester methodisch wieder konventionell weitergeht – weniger kontrovers wird es sicher nicht.


Martin Hauswald
gbs Jena

Kommentare:

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