Sonntag, 19. Oktober 2014

Die Angst des Bistums Münster vor Moses

Im vergangenen Juli hat sich die Hochschulgruppe Jena an der Kunstaktion "11. Gebot: Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!" beteiligt. Wir sprachen uns dagegen aus, dass die mit 700 Mio. EUR (!) verschuldete Stadt Leipzig den Katholikentag 2016 mit einer Million EUR bezuschusst, wie Ihr in unserem vorherigen Blogeintrag nachlesen könnt.

"Moses" hatte es zunächst tatsächlich geschafft, doch noch eine Debatte in Leipzig darüber zu initiieren, ob der Staat solche Missionierungsfeste bezuschussen sollte (einen Überblick findet Ihr hier), nachdem der Bürgermeister zunächst geglaubt hatte, die Sache ohne großen Widerspruch einfach durchwinken zu können.

Im September sollte dann endgültig über die Förderung mit öffentlichen Geldern abgestimmt werden. Auch an der Ausarbeitung des 2. öffentlichen Briefs, mit dem sich die Aktiven vom 11. Gebot an die Abgeordneten der Leipziger Ratsversammlung wandten, war die gbs-Hochschulgruppe Jena beteiligt. Den Brief sowie die dazugehörige Pressemitteilung könnt Ihr wie immer beim hpd nachlesen.
Am 17. September beschloss der Leipziger Stadtrat zwar leider dennoch, sich mit einer Mio. EUR an den Kosten zu beteiligen, doch die Abstimmung viel vermutlich so knapp wie noch nie aus, wenn es um die staatliche Unterstützung christlicher Partys ging. Die Hintergründe, insbesondere über die Oberflächlichkeit der Debatte im Stadtrat, findet Ihr hier.

Doch noch ist nicht alles verloren, denn unmittelbar nach der Abstimmung hat ein Leipziger Bürger ein Bürgerbegehren zur Aufhebung des Beschlusses ins Leben gerufen. Die Facebookseite hat schon weit über 1.000 Fans und da weniger als 5 % der Leipziger dem katholischen Glauben angehören, hat das Bürgerbegehren gute Erfolgsaussichten. Wenn Ihr die Organisatoren beim Unterschriftensammeln unterstützen wollt, dann verschickt die Formulare an Eure Verwandten und Bekannten in Leipzig. Oder wollt Ihr gemeinsam mit uns vor Ort in Leipzig helfen? Dann schreibt uns eine E-Mail.

Für die Aktiven vom 11. Gebot geht es nunmehr in Münster weiter. In Leipzig war die Entscheidung für den Katholikentag 2016 noch nicht gefallen, da hatte das Bistum Münster bei der Stadt schon einen Förderantrag gestellt für den darauffolgenden im Jahr 2018. Obwohl Münster mit weit über 700 Mio. EUR ähnlich hoch verschuldet ist wie Leipzig (bei gleichzeitig 200.000 Einwohnern weniger im Vergleich), wurde noch einmal eine halbe Million EUR zusätzlich beantragt. Ob die Kirche sich so beeilt mit der Beantragung öffentlicher Gelder, weil sie merkt, dass der Protest zunehmend lauter wird? Zwar machen die Katholiken in Münster anders als in Leipzig rund die Hälfte der Bevölkerung aus, dennoch wurde auch in Münster die Abstimmung wieder verschoben. Mehrere Fraktionen sprechen sich schon offen gegen die Subventionierung aus und bezweifeln das Argument der sog. "Umwegrendite", wonach also die Stadt die Fördersumme über den Umweg der Ausgaben der Katholikentagsteilnehmer wieder einnehmen würden. Es ist schon zweifelhaft, ob die Veranstaltung für die Privatwirtschaft in jedem Fall vorteilhaft ist. Während Hotellerie und Gastronomie sicherlich Umsatzzuwächse genießen, müssen andere Geschäfte ein Minus von bis zu 40 % ihres Umsatzes wegstecken, da die Einheimischen zugunsten der Touristen das Stadtzentrum meiden. Dies kann einer Marktforschungsstudie der Hochschule Bremen über die regionalwirtschaftlichen Auswirkungen des 32. evangelischen Kirchentags in Bremen entnommen werden. Gänzlich unbelegt ist darüber hinaus, wie das Geld von den privaten Geschäften wieder im Stadtsäckel landen soll, um die beantragten 1,5 Mio. EUR Fördergelder auszugleichen. Auf ein ganzes Jahr gerechnet werden die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt durch ein solches singuläres Ereignis nur geringfügig erhöht. 
Dies hindert den Oberbürgermeister von Münster, Markus Lewe, jedoch nicht, permanent Werbung für den Katholikentag ("Münster kann Katholikentag") zu betreiben, obwohl er außerdem noch als befangen gilt: Er arbeitete als Revisor im Bistum Münster und stieg zum Leiter des Referats Controlling und Chef der Organisationsentwicklung im Bistum auf. In Münster munkelt man, für den Fall, dass er 2015 abgewählt wird, will er sich seinen Wiedereinstieg beim Bistum "versüßen". 
Die gbs-Hochschulgruppe Jena wird jedenfalls auch wieder dabei sein, wenn Moses in Münster seinen Finger mahnend gen Himmel streckt und an das 11. Gebot erinnert: "Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!" 

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